Die evangelische Kirche und die Frauen - Frauenfreundliche Kirche!?
In der Evangelischen Kirche in Österreich sind heute Frauen den Männern auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gleich gestellt. Eine Studie aus dem Jahr 2001 hat ergeben, dass unsere Kirche aber von einer emanzipierten, wo es gleichberechtigte Teilhabe der Frauen gibt, noch immer weit entfernt ist, die Struktur nach wie vor männlich-hierarchisch bestimmt ist. Seit 2004 bemüht sich eine Gleichstellungskommission um die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen der Kirche.
In der Evangelischen Pfarrgemeinde Graz-Heilandskirche sind die Gremien zu mehr als 40 % weiblich besetzt (Presbyterium: 36 %, Gemeindevertretung: 47 %). In 2 von 4 evangelischen Grazer Pfarrgemeinden hat jeweils eine Frau die amtsführende Pfarrstelle inne.
Diese städtische Situation entspricht aber nicht der Wirklichkeit in der Evangelischen Kirche in Österreich (EkiÖ). Nur ein Fünftel der geistlichen AmtsträgerInnen und mehr als ein Viertel der KuratorInnen sind Frauen.
Leider ist es so, dass der Frauenanteil mit der Bedeutung der Gremien sinkt, während der bei weitem überwiegende Teil der Basisarbeit in den Gemeinden von Frauen geleistet wird.
Exkurs: Eckdaten zur Geschichte der Theologinnen im geistlichen Amt
1928 Zulassung zum Studium der evangelischen Theologie an der Universität Wien
1930 Pfarrgehilfinnen: ohne Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung, keine Ordination
1942 kriegsbedingte Notverordnung: vorübergehende Predigterlaubnis
1965 Pfarrvikarinnen: eingeschränkte Ordinationsmöglichkeit, nicht wählbar auf Pfarrstelle, bei Heirat Ausscheiden aus dem Amt
1980 rechtliche Gleichstellung von Theologinnen und Theologen
Die Vision eines gleichberechtigten Miteinander-unterwegs-seins, die noch immer in erster Linie eine sehr weibliche ist, braucht Gleichheitsmodelle, die einerseits Männern ermöglichen, ihre sozialen Kompetenzen zu entwickeln bzw. zu leben und es Frauen erleichtern, Familienarbeit und berufliches bzw. ehrenamtliches Engagement zu verbinden.
Die Suche nach neuen Wegen der Umsetzung von Gleichheitsmodellen in unseren Gemeinden entspricht der Botschaft des Evangeliums. Jesus, der Sohn Gottes, hat Frauen als gleichberechtigte Mitarbeiterinnen in seiner Nachfolge gehabt, sie ernst genommen, ihnen das volle Leben zugestanden und nicht nur einen Bruchteil davon. Nur echte Partizipation von Frauen und Männern wird dem demokratischen Prinzip unserer evangelischen Kirche gerecht und einer reformatorischen Kirche, für die gilt „ecclesia semper reformanda est“.
Auf dem Weg der Verwirklichung dieser Vision würde das Leben in unseren Gemeinden ehrlicher, zugleich aber auch reicher, vielfältiger, bunter und hoffnungsvoller werden, für Frauen aber sicherlich auch für Männer attraktiver werden. Im Finden gerechterer Lebensmodelle könnten die evangelischen Gemeinden eine Vorbildfunktion haben, in positiver Weise andere gesellschaftliche Bereiche beeinflussen, was ich uns wünsche, denn Gott schuf Frauen und Männer zu seinem Bilde!
Verfasst von Christa Schrauf am 11. Oktober 2007 - 12:45.- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
