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Lutherische Kirchen in Österreich und Deutschland wollen stärker kooperieren

EPD Österreich - 24. April 2008 - 13:09
Die Leitung der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich und die Leitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands trafen einander in Wien Wien (epd Ö) - Ihre Kooperation intensivieren wollen künftig die Evangelische Kirche A.B. in Österreich und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD). Das betonten der lutherische Bischof Dr. Michael Bünker und der leitende Bischof der VELKD, Dr. Johannes Friedrich, zum Abschluss einer dreitägigen Begegnung der beiden Kirchenleitungen am Donnerstag, 24. April, in Wien. Verstärkte Kooperationsmöglichkeiten sieht Bünker im Bereich der theologischen Arbeit, aber auch in der Arbeit mit Agenden oder Katechismen. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Tagung stand der Austausch über die kirchliche Arbeit. "Für die lutherische Kirche in Österreich sind solche Begegnungen ganz besonders wertvoll", unterstrich Bischof Michael Bünker gegenüber epd Ö. Hier, so der Bischof, werde die Verbindung zu den lutherischen Nachbarkirchen deutlich, darüber hinaus sei über diesen Kontakt eine Einbindung in die Information mit der weltweiten lutherischen Kirche möglich. Bünker: "Für eine Minderheitskirche wie unsere hier in Österreich eine unverzichtbare und wichtige Perspektive und Erfahrung". Letztlich gehe es darum, gemeinsam deutlich zu machen, "wofür die lutherische, die reformatorische Tradition steht", etwa in der Frage des Menschenbildes, im Gesellschaftsverständnis und in den grundlegenden ethischen Themen. Für Bischof Friedrich hat das Treffen "trotz der bestehenden guten Kontakte wichtige neue Erfahrungen ermöglicht". Die gemeinsame Kirchliche Pädagogische Hochschule hält der bayerische Landesbischof für ein "Wagnis" und zugleich für "wegweisend". In einem europaweit einzigartigen Modell führen die römisch-katholische, die evangelische, die altkatholische Kirche sowie die orthodoxen und die orientalisch-orthodoxen Kirchen gemeinsam die Ausbildungseinrichtung für LehrerInnen. Selbst in der Situation, naher Nachbar zu sein, könne man noch viel voneinander lernen und "über den eigenen Kirchenrand hinausschauen", sagte Friedrich, der die 14-köpfige VELKD-Delegation anführte. Neben den wechselseitigen Informationen über Aufbau, Struktur und Finanzierung der Kirchen standen auch Fragen der Ausbildung von VikarInnen auf der Tagesordnung, hier ortet Friedrich Parallelen etwa bei der Qualifikation und dem Auswahlprozedere. Dass das Dokument der VELKD zur Ordination "einen Maßstab" gesetzt habe, betonte in diesem Zusammenhang Bischof Bünker. Seitens der gastgebenden Evangelischen Kirche in Österreich nahmen an der Begegnungstagung u.a. teil die Mitglieder des Oberkirchenrates sowie des GEKE-Büros, mehrere Superintendenten und die Superintendentin von Salzburg/Tirol, der reformierte Landessuperintendent, die Vizerektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule sowie MR Dr. Karl Schwarz vom Kultusamt.

Evangelische Kirchen Österreichs fordern Solidarität mit Opfern der weltweiten Hungerkatastrophe

EPD Österreich - 22. April 2008 - 11:50
Kritik an zögerlicher Haltung der Bundesregierung Wien (epd Ö) - Mit einem Appell zur Solidarität mit den Opfern der weltweiten Hungerkatastrophe haben sich die Spitzenvertreter der Mitgliedskirchen der Diakonie Österreich an die Öffentlichkeit gewandt. In einer Pressekonferenz im Wiener Albert Schweitzer Haus präsentierten am 22. April der lutherische Bischof Dr. Michael Bünker, der reformierte Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld, der evangelisch-methodistische Superintendent Mag. Lothar Pöll sowie der Direktor der Diakonie Österreich, Pfarrer Mag. Michael Chalupka, einen Brief an die evangelischen Gemeinden, in dem es heißt: "Wir wenden uns heute mit der großen Sorge an Sie, dass einer rasant wachsenden Zahl von Menschen das tägliche Brot verweigert wird." Bünker, der den Brief erläuterte, unterstrich: "Hunger ist kein Schicksal, Hunger wird gemacht." Der Bischof erinnerte daran, dass in der Geschichte immer wieder Hunger von den Mächtigen ganz bewusst zur Unterdrückung eingesetzt worden sei. "Wir Evangelische", so Bünker, "sind dazu befreit, die sündhaften Strukturen zu ändern und die, die Verantwortung tragen, bei ihrer Verantwortung zu behaften." Die Politik sei aufgerufen, ihren Beitrag zur Hilfe in dieser Situation zu leisten, allerdings: "Von unserer Regierung hört man leider nichts." Dass Kirche kein Selbstzweck ist, sondern immer für andere Menschen da zu sein und für sie zu handeln hat, hob Landessuperintendent Hennefeld auf der Pressekonferenz hervor. Dies sei ein "Grundgebot", das sich durch die gesamte biblische Botschaft ziehe. Dabei gehe es nicht um eine Frage des Almosengebens, sondern lediglich um Gerechtigkeit. In diesem Zusammenhang kritisierte Hennefeld den derzeitigen "Globalisierungswahn", der nicht "gestaltet" werde, vielmehr auf Profitmaximierung und nicht auf Gerechtigkeit abziele. Von der Verpflichtung seiner Kirche, sich für Gerechtigkeit und gegen Armut einzusetzen, sprach auch der evangelisch-methodistische Superintendent Mag. Lothar Pöll. Da Hunger und Armut kein Schicksal seien, könne man diese Welt "mit Gottes Hilfe verändern". Die Bitte des Vaterunsers "Unser täglich Brot gib uns heute" sei zugleich eine Selbstverpflichtung. Der Superintendent kündigte an, die Beseitigung der Armut und die weltweite Gesundheitsfürsorge werde in der Evangelisch-methodistischen Kirche in der kommenden Zeit im Mittelpunkt stehen. Weltweite Projekte der Diakonie Für Diakoniedirektor Chalupka sollte die engagierte Haltung der Kirchen zur Hungerkatastrophe von der österreichischen Bundesregierung zum Vorbild genommen werden. Chalupka kritisierte, die Regierung erweise sich einmal mehr als "sehr zögerlich" und gehe international nicht voran wie es einem der reichsten Länder der Welt wohl anstehen würde. "Es wäre wichtig", so Chalupka, "dass die Bundesregierung, wie andere Länder auch, ihre Verpflichtung gegenüber dem World-Food-Programm einhält bzw. ihre Beteiligung steigert." Österreich stehe hier etwa an 30. Stelle. Als Projekte im Rahmen von Nothilfeprogrammen der Diakonie Katastrophenhilfe nannte der Diakoniedirektor einen Beitrag zur Verbesserung der Lage der von Krieg betroffenen Familien in Somalia, u.a. durch Verteilung von Lebensmitteln, in Mogadischu und Umgebung sowie die Überlebenssicherung von Kleinkindern, Schwangeren, stillenden Müttern, Alten und Kranken durch Bereitstellung von Hilfsgütern über einen Zeitraum von drei Monaten in Kenia. Auf Haiti soll die Ernährungslage nachhaltig verbessert werden durch Eigenproduktion von Gemüse in intensiv bewirtschafteten Hausgärten. Dazu dienen u.a. die Ausbildung von Kleinbauern, die Installierung von Bewässerungssystemen und die Verteilung von Saatgut, Dünger und Werkzeugen. Die Hilfsprojekte der Diakonie können durch Spenden auf das Postscheckkonto 23 13 300, Kennwort Hunger, unterstützt werden.

Literaturpreis "Ohrenschmaus" sucht auch heuer wieder neue Schriftsteller-Talente

EPD Österreich - 21. April 2008 - 12:41
Literaturwettbewerb für Menschen mit Lernbehinderungen Wien (epd Ö) - Nach der erfolgreichen Premiere geht der Literaturpreis "Ohrenschmaus" ins zweite Jahr. Über 100 Geschichten, Erzählungen und Gedichte wurden im Vorjahr von Menschen mit Lernbehinderungen eingereicht. Und auch heuer sucht die Jury wieder neue literarische Talente. Die Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie Österreich, Jugend am Werk, Lebenshilfe Österreich, SOB 31 und Vienna people first unterstützen als Initiativkomitee diesen Literaturpreis und stellen ihr Engagement und ihre Expertise in der Behindertenarbeit zur Verfügung. Unter der Schirmherrschaft des Autors Felix Mitterer sind Menschen mit Lernbehinderung aufgerufen, bis 30. September ihre Texte einzusenden. Bewertet werden die Beiträge durch eine prominente Jury, darunter der Autor und Journalist Heinz Janisch, die ORF-Moderatorin Barbara Rett oder der Autor Kurt Palm. Beeindruckt von der Qualität der Texte zeigte sich Jurymitglied Heinz Janisch bei der Präsentation der Initiative am Montag, 21. April, vor Journalisten in Wien. Viele Menschen mit Down-Syndrom hätten sich an dem Wettbewerb beteiligt, erzählte der Initiator des Literaturpreises, Franz-Joseph Huainigg. Vor allem am Beginn des Lebens sei die Chancengleichheit behinderter Menschen "immer mehr in Gefahr". Leben mit Behinderung könne auch Glück bedeuten, dies werde in den Texten deutlich transportiert. Durch die "pränatale Rasterfahndung" kämen jedoch immer weniger Menschen mit Down-Syndrom auf die Welt, sagte der Nationalratsabgeordnete. Für Diakonie-Direktor Michael Chalupka haben die Texte "Türen geöffnet und einen bemerkenswerten Einblick in die Welt der Autorinnen und Autoren" gewährt. So habe etwa bei den Schülerinnen und Schülern der Orientierungsstufe des Evangelischen Diakonievereins Salzburg die Auszeichnung einen wichtigen Motivationsschub ausgelöst. Die Öffentlichkeit konnte darauf aufmerksam gemacht werden, dass auch Jugendliche mit intellektuellen Behinderungen sprachliche und literarische Fähigkeiten haben und nicht nur, wie immer wieder in Vorurteilen zu hören sei, über Begabungen im handwerklichen Bereich verfügen. Caritas-Präsident Franz Küberl würdigte den "fulminanten Start" der Initiative. Mit viel "Engagement und Herzblut" hätten Menschen hier Texte, Gedichte und Lebensgeschichten verfasst. Der Literaturpreis sei zu einer "interessanten und spannenden Plattform für literarisches Schaffen geworden, weil der Mensch und sein Werk im Mittelpunkt stehen". Von einer "preiswürdigen" Literatur von Menschen mit Behinderungen sprach der Bundesgeschäftsführer der Lebenshilfe Östereich, Albert Brandstätter. Die TeilnehmerInnen hätten "überhaupt keine Schwierigkeiten, ihre Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, Hoffnungen, ihren Humor, ihren Schmerz in berührende Worte zu fassen". Im Publikum anwesend war auch die Preisträgerin des Vorjahres, Renate Gradwohl aus Kindberg. Mit ihrem Gedicht "Der böse Gerhard" hatte sie die Jury in der Kategorie Lyrik überzeugt, ein Sponsor druckte das prämierte Gedicht auf eine Sonderedition seiner Schokoladen. Heuer gehören auch die PreisträgerInnen des Vorjahres der Jury an. Infos und Einreichbedingungen unter: http://www.ohrenschmaus.net

Neuer Ethik-Lehrgang der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien

EPD Österreich - 16. April 2008 - 13:47
Wien (epd Ö) - Die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien (KPH) startet einen neuen Ethiklehrgang, der Lehrerinnen und Lehrer an AHS und BHS befähigt, im Rahmen von Schulversuchen das ergänzende Wahlpflichtfach Ethik zu unterrichten. Der neue Lehrgang, der gemeinsam mit der Universität Wien durchgeführt wird, wird an den Standorten der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien und Krems stattfinden. Er ist berufsbegleitend und dauert fünf Semester. Der Lehrgang schließt mit einem Diplom für Ethikunterricht ab. Am Samstag, 26. April, findet ab 9 Uhr im Campus Krems-Mitterau der KPH ein Informationstag zum neuen Lehrgang statt. KPH-Rektorin Ulrike Greinert und Dekan Prof. Peter Kampits von der Universität Wien werden über den neuen Lehrgang und Inhalte des Fachs Ethik informieren. (Informationen: http://www.kphvie.at)

Chalupka: Katastrophenhilfefonds endlich reformieren

EPD Österreich - 16. April 2008 - 13:46
Zukunftsweisendes Diakonie-Projekt in Sri Lanka gefährdet Wien (epd Ö) - Eine Totalreform des Katastrophenhilfefonds der österreichischen Bundesregierung hat Diakoniedirektor Michael Chalupka gefordert. Während für die unmittelbaren Folgen der Tsunami-Katastrophe von 2004 reichlich private und öffentliche Gelder aufgebracht werden konnten, sei die Finanzierung von Projekten, die sich mit weniger spektakulären Spätfolgen beschäftigen, nur schwer zu erreichen, beklagte Chalupka bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Chalupka stellte ein "weltweit einzigartiges" Diakonieprojekt für die Menschen an der Ostküste Sri Lankas vor. In Ampara erhielten vor wenigen Tagen 16 Studenten - sowohl Singhalesen als auch Tamilen - nach erfolgreicher Ausbildung zu psychologischen Beratern für traumatisierte Menschen ("Trauma Counsellors") ihre Diplome. Ausgebildet worden waren sie im örtlichen "Centre for Psychosocial Care" (CPC) von Professoren der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt unter der Leitung der Grazerin Barbara Preitler. Der universitäre Lehrgang "Academic Trauma Counsellor" war 2005 gestartet worden. Für Sri Lanka ungewöhnlich ist, dass die Berater in ethnisch gemischten Teams unterwegs sein werden. Die Weiterführung des Lehrganges sei allerdings nicht gesichert, beklagte Chalupka. Und er wiederholte seinen bereits im Jänner gemachten Vorwurf an die Bundesregierung, dass alle Bemühungen der Diakonie um eine Finanzierung aus dem Tsunami-Katastrophenfonds der Bundesregierung bisher gescheitert seien. Der Fonds sei derzeit eine Fehlkonstruktion, so der Diakoniedirektor. Wer ansuche, müsse einen "Spießrutenlauf" absolvieren. Das Problem sei, dass grünes Licht für eine Finanzierung aus dem - 2004 von Wolfgang Schüssel ins Leben gerufenen - Fonds erst dann gegeben werde, wenn der gesamte Ministerrat seine Zustimmung zu einer außerbudgetären Sonderfinanzierung gegeben habe. Dies wiederum sei völlig unrealistisch. "Aus den Erfahrungen mit der Tsunami-Katastrophe wird die Notwendigkeit einer Verbesserung des Katastrophenhilfefonds der Österreichischen Bundesregierung ersichtlich", ist Chalupka überzeugt. Der Diakoniedirektor stellte in diesem Zusammenhang fünf Forderungen: Einrichtung eines permanenten Katastrophenhilfefonds der Bundesregierung, ausgestattet mit einem fixen Sockelbetrag; effiziente Verwaltung dieses Fonds durch die "Austrian Development Agency"; einheitliche Richtlinien bezüglich der Antragstellung für die Hilfsorganisationen; Transparenz in der Projektvergabe; Evaluierung im Blick auf die Nachhaltigkeit der über diesen Fonds finanzierten Projekte. In Ampara hatte der Tsunami im Dezember 2004 mehr als 10.000 Todesopfer gefordert. Der bis heute andauernde Konflikt zwischen den ethnischen Gruppierungen im Land verunsichere die Zivilbevölkerung und mache die Gestaltung eines normalen Alltags in der Region zusätzlich schwierig. Erst vergangenes Wochenende wurden wieder 90 Opfer gemeldet. Bisher konnte die Diakonie trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen 2.000 betroffenen Menschen psychosoziale Hilfe geben. Um zahlreiche weitere traumatisierte und schwer erkrankte Menschen in dieser Region zu erreichen, sei jedoch weitere finanzielle Unterstützung dringend notwendig, so die Diakonie. Spendenkonto: PSK 23.13.300 (BLZ 60.000), Kennwort: "Sri Lanka"

Neue Herausforderungen für die reformierten Kirchen Mittel- und Südosteuropas

EPD Österreich - 16. April 2008 - 13:39
Die 4. Donau-Kirchen-Konsultation diskutierte Erfahrungen mit dem Islam, mit der Orthodoxie und mit dem Säkularismus Gallneukirchen (epd Ö) - "Das Umfeld unterschiedlicher Mitgliedskirchen kennenzulernen und sich darüber auszutauschen" war nach den Worten des reformierten Landessuperintendenten Mag. Thomas Hennefeld das Ziel der 4. Donau-Kirchen-Konsultation der reformierten Kirchen, die vom 9. bis 13. April in Gallneukirchen, Oberösterreich, stattfand. Unter dem Gesamtthema "Reformiert für Europa - Erfahrungen mit Muslimen, Orthodoxen und Patchwork-Religionen" standen im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen der Islam als Religion, die in Österreich und Deutschland zu einer relevanten Größe geworden ist, sowie die Orthodoxie, die die Mehrheitskirche in Rumänien bildet. Auch das Phänomen der Säkularisierung, mit dem die Kirchen in Mittel- und Südosteuropa konfrontiert sind, und die neuen religiösen und spirituellen Bedürfnisse kirchlich nicht sozialisierter Menschen waren ein zentrales Thema der Tagung. Referenten waren u.a. der römisch-katholische Pastoraltheologe Univ.-Prof. DDr. Paul Zulehner und der römisch-katholische Liturgiewissenschaftler und Kenner der orthodoxen und altorientalischen Kirchen em.Univ.-Prof. Dr. Philipp Harnoncourt. Für Hennefeld, Gastgeber und Organisator der Tagung, war das Resultat der Gespräche, dass es für die Kirchen Europas wichtig ist, "dass die einzelnen Kirchenfamilien ihre Identität und ihr Profil schärfen, ohne das Trennende zu stark zu betonen, sondern dass sie von den eigenen Wurzeln und Traditionen her neue Wege in eine gemeinsame Zukunft finden. Und dass sie damit im Konzert europäischer Stimmen auch mit ihren Anliegen und den christlichen Werten Gehör finden." Unter den TagungsteilnehmerInnen, die vorwiegend aus den ungarischsprachigen reformierten Minderheitskirchen in Ungarn, Rumänien und Kroatien kamen sowie aus der Tschechischen Republik, aus Deutschland, Italien und Polen, waren auch Ministerialrat Univ.-Prof. Dr. Karl Schwarz vom Kultusamt des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Wischmeyer von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie die Leiterin der Geschäftsstelle der Gemeinschaft Europäischer Kirchen in Europa (GEKE) Evelyn Martin.

Ausstellung "Gratwanderungen": "Weil die Stimmen der Zeitzeugen immer leiser werden"

EPD Österreich - 14. April 2008 - 7:17
Schulprojekt im Evangelischen Gymnasium Wien informiert über das während der NS-Zeit gegründete kirchliche "Entjudungsinstitut" in Thüringen Wien (epd Ö) - "Gratwanderungen" ist der Titel einer Ausstellung über das kirchliche "Entjudungsinstitut" in Thüringen, die am Montag, 7. April, im Evangelischen Gymnasium Wien eröffnet wurde. Gestaltet wurde die Ausstellung - sie war bereits in der Grazer Heilandskirche zu sehen - von Schülerinnen und Schülern des Martin-Luther-Gymnasiums in Eisenach (D). Sie gehen darin der menschenverachtenden Arbeit des Instituts nach, das 1939 von elf evangelischen Landeskirchen Deutschlands gegründet wurde und bis 1945 bestand. Der Name der kirchlichen Einrichtung war Programm: "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben". Hauptaufgabe des Instituts war die Eliminierung aller jüdischen Spuren aus den Schriften des Neuen Testaments und des evangelischen Gesangbuches. Die heute unumstrittenen Wurzeln des Christentums im Judentum wurden geleugnet und sollten beseitigt werden. Die Ausstellung zeigt, dass Wörter wie "Zion" oder "Hosianna" aus dem Gesangbuch getilgt worden sind. Problematisiert werden auch die theologischen Grundsätze des Instituts und seiner deutschlandweit etwa 200 Mitarbeiter. Nach diesen wurde Jesus zum "Arier" erklärt und dem "Judentum in allen Stücken entgegengesetzt" dargestellt. So widmet sich ein Teil der Ausstellung dem Phänomen und der Geschichte der christlichen Judenfeindschaft. Besonderes Augenmerk lenkt die Ausstellung auf die Rolle der Thüringer Landeskirche während der Zeit des Nationalsozialismus. Bereits sehr früh und besonders stark hatte in Thüringen die Bewegung der "Deutschen Christen" Fuß gefasst. Dokumentiert wird, dass die Landeskirche "im Gleichschritt mit der nationalsozialistischen Rassenpolitik" gelaufen ist. Vor diesem Hintergrund befasst sich die Ausstellung auch damit, wie die Kirchenleitung mit ihrer eigenen Vergangenheit und der Arbeit des "Entjudungsinstituts" umgegangen ist. Das Institut war zwar 1945 durch die Kirchenleitung geschlossen worden, kritisiert wird jedoch die sehr späte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Instituts durch die Kirchenleitung. Erst Mitte der Neunziger Jahre ist insbesondere durch Studientage des Predigerseminars der Landeskirche damit begonnen worden, die Geschichte des Instituts aufzuarbeiten. "Dunkles Thema" Anlässlich der Eröffnung in Wien diskutierten am Montagabend unter der Leitung der ORF-Moderatorin Doris Appel der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, die Generalsekretärin des Österreichischen Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus und des Allgemeinen Entschädigungsfonds, Hannah Lessing, der Direktor des Eisenacher Gymnasiums, Thomas Giesa, und der Historiker Dirk Rupnow. Mit der Ausstellung rücke ein "dunkles Thema" evangelischer Kirchengeschichte in den Blickpunkt, sagte die gastgebende Direktorin des Evangelischen Gymnasiums, Elisabeth Sinn, in ihrer Begrüßung. Für Bischof Bünker ist die Ausstellung "ein deutliches Zeichen, dass es sich lohnt, mit SchülerInnen Themen der Vergangenheit aufzuarbeiten". Bünker erinnerte an die Rolle des Theologieprofessors Gerhard Kittel, der seit 1936 in der Münchner Zweigstelle des "Instituts zur Erforschung der Judenfrage" mitarbeitete und ab Herbst 1939 bis April 1943 den Lehrstuhl für Theologie in Wien innehatte. Auch die Evangelisch-Theologische Fakultät in Wien habe "ihren Anteil an der Entwicklung", sagte Bünker. Kirche sei in diesen Jahren, wie Karl Barth es bezeichne, "fremdhörig" geworden. Heute gehe es um das Lernen aus der Geschichte, damit solche Entwicklungen, wie sie die Ausstellung dokumentiere, unmöglich gemacht werden. Österreich habe sich sehr lange hinter der Opfertheorie versteckt, meinte Hannah Lessing vom Nationalfonds, der, wie Lessing unterstrich, nicht nur jüdische Opfer betreue. 30.000 Lebensgeschichten fänden sich mittlerweile in den Archiven. Es gehe nicht nur um eine symbolische Anerkennung der Opfer, sondern um ein "nachhaltiges Bewusstsein" für das, was damals passierte. Weil die "Stimmen der Zeitzeugen leiser werden, müssen wir das für sie übernehmen", sagte Lessing. Dieses Schulprojekt sei ein gelungenes Beispiel dafür. Die Ausstellung richtet an den Besucher/die Besucherin auch die Frage: "Wie hätte ich reagiert?" "Eine legitime Frage", wie der Direktor des Gymnasiums Eisenach, Thomas Giesa, erklärte. Es sei bemerkenswert, dass sich Schülerinnen und Schüler trotz aller Schwierigkeiten auf dieses Thema eingelassen hätten. Die von den Nationalsozialisten institutionalisierte "Judenforschung", das "Einschreiben in die Geschichte", ist für den Historiker Dirk Rupnow ein Versuch, "das physische Auslöschen zu kompensieren". Wissenschaftler hätten damals nicht blind agiert, "sie wussten, was sie taten", so der Historiker. Die Ausstellung läuft bis Ende April, geöffnet ist sie Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr.