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Eisige Kälte verschärft Situation für Arme und Obdachlose

EPD Österreich - 2. Februar 2012 - 14:39
Wien (epdÖ) ? Die eisigen Temperaturen machen vor allem Armen und Obdachlosen Menschen schwer zu schaffen, darauf weisen Hilfsorganisationen angesichts der aktuellen Wetterlage in Österreich hin. Viele Menschen können sich teilweise das Heizen nicht mehr leisten und frieren in ihren Wohnungen. Männer und Frauen, die auf der Straße leben, sind dringend auf warme Schlafstellen angewiesen, um die Nacht nicht im Freien verbringen zu müssen. Allein in Wien sollen zu den bereits bestehenden 400 Schlafstellen zusätzlich 70 Plätze in den nächsten Tagen zur Verfügung gestellt werden. "Die klirrende Kälte lässt den Andrang von Menschen in Not auf einen warmen Ort und ein warmes Essen massiv steigen. Die Nachfrage nach einem warmen Platz und einem warmen Essen ist kaum bewältigbar", berichtet die Diakonie aus ihrer sozialen Einrichtung "Häferl" in Wien, wo durchschnittlich rund 100 Menschen an vier Tagen die Woche mit einer warmen Mahlzeit und bei Bedarf mit Kleidung versorgt werden. Vor dem Hintergrund der angespannten Situation in den Notschlafstellen und Obdachlosenunterkünften warnen Experten vor Einsparungen in diesem Bereich im Rahmen eines Sparpakets. "Hier zu kürzen wäre eine Katastrophe. Ein Kahlschlag bei den sogenannten Ermessensausgaben macht soziale Hilfsangebote kaputt", ist Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie, überzeugt.
Die Kältewelle hat auch Osteuropa fest im Griff. In Moldawien etwa leiden besonders Kinder und ältere Menschen, die unter schlimmen Bedingungen leben. Seit knapp einem Jahr arbeitet die Diakonie mit der lokalen Organisation "Neoumanist Association" in Straseni zusammen, um Basishilfe zu leisten. Dabei werden sie durch das österreichische Sozialministerium unterstützt.
"Unsere Projektpartner in Moldawien kümmern sich um die durch die Kälte akut bedrohten alten Menschen. Wir können sie versorgen, wenn Sie Wunden haben oder Injektionen brauchen und wir spenden immer wieder auch Lebensmittel für ältere Personen, die in extremer Armut leben", beschreibt Dagmar Lassmann, Leiterin der Diakonie Austria, die Arbeit der Helferinnen und Helfer vor Ort.

Die Diakonie ist dringend auf Unterstützung angewiesen. Nähere Informationen über die Arbeit der Diakonie und die Möglichkeiten, zu spenden, finden sich im Internet unter: http://www.diakonie.at und http://www.haeferl.net

70 Jahre Wannsee-Konferenz

EPD Österreich - 1. Februar 2012 - 14:19
Wien/Jerusalem (epdÖ) - Siebzig Vertreter von protestantischen Kirchen, Gemeinden und christlichen Werken aus Deutschland und Österreich haben Mitte Jänner in Israel des 70. Jahrestages der Wannsee-Konferenz gedacht. Am 20. Jänner 1942 beschlossen 15 hochrangige Leiter (darunter Adolf Eichmann) des damaligen nationalsozialistischen Regimes in der Villa Wannsee vor den Toren Berlins die "Endlösung der Judenfrage", das heißt die systematische Vernichtung aller Juden Europas. Initiator der Gedenk- und Begegnungsreise war die seit 30 Jahren bestehende Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ). Höhepunkt des zweitägigen Programmes war die Kranzniederlegung am Freitagvormittag, 20. Jänner, in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, zu der auch Shaya Ben Yehuda - Leiter der Gedenkstätte - gekommen war. Die Delegierten aus Deutschland und Österreich, die gemeinsam rund zehn Millionen Deutsche und Österreicher aus evangelischen Kirchen und Freikirchen repräsentieren, legten fünfunddreißig Kränze zu Ehren der Opfer des Holocausts nieder. Aus Österreich waren neun Delegierte von christlichen Werken und Gemeinden angereist. Im Auftrag von Superintendent Mag. Manfred Koch und dem Leitungsgremium der GGE (Geistliche Gemeindeerneuerung in der Evangelischen Kirche Österreich) beteiligte sich Pfarrer Carsten Merker-Bojarra (Unterschützen) für die Evangelische Kirche A.B. im Burgenland und die GGE-Österreich an der Gedenkzeremonie und legte einen Kranz nieder. In der anschließenden Feierstunde wandte sich Gottfried Bühler, Leiter der ICEJ-Deutschland, an die Versammelten: "Auch nach 70 Jahren beugen wir uns vor dem jüdischen Volk und möchten unsere tiefe Beschämung, Betroffenheit und Trauer ausdrücken für den Horror des Holocaust", erklärte er. Die Erinnerung müsse wachgehalten werden, damit der Schrecken des Holocaust "ein Mahnmal für die Zukunft" sei. Gedenken allein reiche nicht aus. Vielmehr müsse es "begleitet sein von verantwortlichem Handeln". Zusammen mit seinem Bruder Jürgen Bühler, dem Gesamtleiter der ICEJ in Jerusalem, überreichte er der Gedenkstätte einen Scheck über 200 000 Schekel (ca. 40 000 Euro) für die alljährlich stattfindende internationale Konferenz für Pastoren und Pfarrer in Yad Vashem.

Diakoniepreis 2012 ausgeschrieben

EPD Österreich - 1. Februar 2012 - 13:57
Wien (epdÖ) - Die Evangelische Kirche A. und H.B. in Österreich schreibt auch in diesem Jahr wieder den Diakoniepreis aus. Bis zum 14. September 2012 können Pfarrgemeinden und die Einrichtungen und Initiativen der Diakonie Österreich ihre Projekte einreichen. Die Vergabe des Diakoniepreises soll "Einsicht in das Diakonische Engagement unserer Gemeinden, Institutionen und Unternehmen vermitteln, die Kreativität und den Mut stärken, soziale Probleme mit innovativen Konzepten zu bearbeiten, sowie die Aussage der Generalsynode: 'Kirche ist wesentlich diakonisch' noch tiefer im Leben der Kirche verankern", wie es in der offiziellen Ausschreibung heißt. Für die Zuerkennung des Preises, der mit 10.000 Euro dotiert ist, soll das Projekt Innovationspotential haben, in die soziale Struktur des Ortes eingebunden und nachhaltig sein. Eine Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen sei erwünscht. Ebenfalls wichtig: Die gestaltete Kommunikation mit den kirchlichen und öffentlichen Partnern. Besondere Beachtung gibt es für Projekte, die sich dem "Europäischen Jahr 2012 für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" widmen. Anträge auf Zuerkennung des Diakoniepreises können unter www.evang.at/diakoniepreis heruntergeladen werden, die Unterlagen müssen in sechsfacher Ausfertigung beim Evangelischen Oberkirchenrat A. und H.B. (1180 Wien, Severin-Schreiber-Gasse 3) eingereicht werden. Die Jury, die für die Vergabe verantwortlich ist, besteht aus dem Vorsitzenden des Evangelischen Oberkirchenrats A. und H.B., dem derzeitigen Vorsitzenden des Diakonischen Ausschusses der Generalsynode, einem Vertreter der Diakonie Österreich sowie den vom Diakonischen Ausschuss der Generalsynode berufenen VertreterInnen aus dem Bereich des Gesundheits- bzw. Sozialwesens und der Publizistik.

"Wende"-Pfarrer Christian Führer kommt nach Linz

EPD Österreich - 1. Februar 2012 - 13:46
Linz (epdÖ) - Der ehemalige Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, kommt nach Oberösterreich. Am Donnerstag, 9. Februar, wird er im Evangelischen Studentenheim Dietrich Bonhoeffer in Linz-Dornach um 19.30 Uhr über sein Leben in und nach der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erzählen. Am Sonntag, 12. Februar, feiert er um 9 Uhr in der Evangelischen Gemeinde Rutzenmoos einen Gottesdienst. Christian Führer begleitete und betreute von Anfang an die Friedensgebete in der Nikolaikirche in Leipzig. Nach rund zehn Jahren bildeten sie den Auftakt zu den Leipziger Montagsdemonstrationen, die im Herbst 1989 begannen. Von hier aus nahm die friedliche Revolution in der DDR ihren Ausgang, die letztlich zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 führte. Führer wird in seinem Vortrag in Linz Einblicke geben über den weiten, oft schwierigen Weg hin zur sogenannten "Wende" und der damaligen Aufbruchsstimmung, aber auch darüber sprechen, was rund 20 Jahre danach davon übrig geblieben ist.

Bünker: Rassismus ist mit christlichem Glauben unvereinbar

EPD Österreich - 27. Jänner 2012 - 11:57
Wien (epdÖ) - "Wer die Opfer vergisst, tötet sie noch einmal!" Mit dieser Mahnung wandte sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktages der Vereinten Nationen am 27. Jänner am Wiener Heldenplatz. Vor genau 67 Jahren wurde das KZ Auschwitz-Birkenau befreit. Auch wenn kaum eine Veranstaltungsform denkbar sei, die der Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden angemessen ist, teile der christliche Glaube den hohen Stellenwert der Erinnerung mit dem Judentum. "Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung", zitierte Bünker den Talmud. Für die Kirchen gebe es "keine Schlussstrichmentalität". Der Bischof betonte bei der Gedenkveranstaltung am Freitagvormittag, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten, speziell auch Auschwitz, eine wichtige Voraussetzung für zivilcouragiertes und solidarisches Handeln heute sei. "Wer verstanden hat, wie die Banalität des Bösen in die Gesellschaft damals Einzug halten konnte, wird heute eher wachsam sein, wenn wieder Sündenböcke gesucht werden, wenn Asylsuchenden, Migrantinnen und Migranten Fremdenfeindlichkeit und offener Rassismus entgegenschlägt und wenn sich Antisemitismus und rechtsextremes Gedankengut wieder breitmachen", so Bünker. Als "ungeheuerliche Geschmacklosigkeit" und Verhöhnung der Opfer des Holocaust bezeichnete der Bischof die Abhaltung des Korporationsballs ausgerechnet am Gedenktag. Bünker wörtlich: "Die Zeit für rauschende Feste und Feiern an so repräsentativen Orten wie der Hofburg sollte für solche Organisationen längst vorbei sein, selbst wenn Rechte heute Linkswalzer tanzen." Es sei erschreckend, wie leicht sich nationalsozialistisches Gedankengut und Rassismus wieder einschleichen könnten, sagte Bünker. "Dass die Kirchen sich einbringen und gemeinsam mit anderen für ungeteilte Menschenwürde und gegenseitige Achtung eintreten, hat einen Grund: Rechtsextreme Gesinnung, Rassismus, Fremdenhass und Antisemitismus sind mit dem christlichen Glauben schlicht und einfach unvereinbar." In seiner Rede trat Bünker dafür ein, dass der internationale Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zusätzlich zum Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen am 5. Mai auch in Österreich zu einem offiziellen Gedenktag werde. Mit einem Zitat des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno mahnte Dwora Stein vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Faschismus: "Was einmal wirklich war, bleibt ewig möglich". Luitgard Derschmidt von der Katholischen Aktion Österreich rief dazu auf, das "Nie wieder" aktiv zu gestalten, und kritisierte, dass in Österreich die Zeit zwischen 1938 und 1945 viel zu spät und viel zu wenig aufgearbeitet worden sei. Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig rief einmal mehr den dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf, Mitglied der wegen ihrer Verbindung zum Rechtsextremismus immer wieder kritisierten Burschenschaft Olympia, zum Rücktritt auf. Als "eine Schande für das Land und für die Menschen, die den Holocaust überlebt haben", bezeichnete der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ariel Muzicant, den Korporationsball. Sein gesellschaftspolitisches Engagement gelte nicht nur den Jüdinnen und Juden, sondern allen benachteiligten Minderheiten. Weiters sprachen Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Adalbert Wagner von der Stiftung Gedenkdienst, ÖH-Vorsitzende Janine Wulz sowie Rudolf Gelbard, Überlebender des KZ Theresienstadt. Die Veranstaltung, moderiert von der Schauspielerin Katharina Stemberger, wurde mit einem Gebet zum Totengedenken durch Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg abgeschlossen. Der "Jüdische Chor Wien" und der "Chor der slowenischen Studierenden in Wien" umrahmten die Feier musikalisch.

Weisskircher: "Es gibt niemanden, der nichts lernen kann"

EPD Österreich - 27. Jänner 2012 - 11:19
Wien (epdÖ) ? Mit einem Ausblick auf die Feierlichkeiten rund um den 150. Geburtstag des Schulgebäudes der Evangelischen Mittelschule am Karlsplatz beging das Evangelische Schulwerk A. B. Wien am 26. Jänner seinen traditionellen Neujahrsempfang im Evangelischen Gymnasium in Wien. Die Renovierungsarbeiten an dem von Theophil Hansen geplanten und 1860-62 gebauten Gebäude konnten abgeschlossen werden, berichtete Veronika Weisskircher, stellvertretende Geschäftsführerin des Schulwerks. Anhand einer Präsentation konnten erste Einblicke in das neu gestaltete  Schulgebäude gewonnen werden. Besonders schön gelungen seien die Bibliothek im Dachgeschoß, die Aula sowie die neuen Sonnenterrassen am Dach, zeigte sich Weisskircher zufrieden. Auch sonst könne das Schulwerk eine erfreuliche Bilanz präsentieren: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler sei in allen Bereichen gewachsen, den stärksten Zuwachs verzeichnen die Horte. Neben der Schule am Karlsplatz wurde auch an anderen Standorten erweitert und gebaut, so entstand etwa ein neuer Hort in Wien-Gumpendorf. Mit Programmen wie "SchülerInnen lehren Eltern" oder den inklusiven "FIT-Schulen", an denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden, wollen die Bildungseinrichtungen des Schulwerks und der "Diakonie Bildung" "am neuesten Stand" sein. "Das Motto der pädagogischen Arbeit in unseren Einrichtungen lautet: es gibt niemanden, der nicht lernen kann", so Weisskircher. Michael Bubik, Geschäftsführer des Schulwerks, machte in seiner Ansprache auf das Schicksal junger Flüchtlinge aufmerksam, hauptsächlich aus Afghanistan, die oftmals ohne erwachsene Begleitpersonen in Österreich ankämen. Er verwies darauf, dass viele Schülerinnen und Schüler an evangelischen Schulen eine andere Muttersprache als Deutsch hätten. "Ich bin sehr stolz auf alle, die für das evangelische Schulwerk arbeiten", sagte der Wiener Superintendent Hansjörg Lein, der neben Superintendentialkuratorin Inge Troch, Simmerings Bezirksvorsteherin Renate Angerer und Stadtschulratsvizepräsident Helmut Günther Grußworte sprach. Der Neujahrsempfang wurde musikalisch umrahmt von einer Popband der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule. Der Kabarettist Jörg-Martin Willnauer präsentierte Höhepunkte aus seinem aktuellen Programm.

Bünker: Religionsunterricht ist Avantgarde der Ökumene

EPD Österreich - 27. Jänner 2012 - 9:21
Wien (epdÖ) - Die Kirchen verbinde der Einsatz für eine gerechte Welt und der Schutz jener, die "unter die Räder kommen", erklärte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei einer Podiumsdiskussion über die Chancen der Ökumene am Donnerstag, 26. Jänner, im Wiener Don Bosco-Haus. Der Bischof erinnerte an das Ökumenische Sozialwort, das nach wie vor eine "brandaktuelle Orientierungshilfe" sei. Im Zweiten Vatikanischen Konzil habe die Römisch-katholische Kirche einer Rückkehrökumene eine klare Absage erteilt, in Österreich habe Kardinal König die Römisch-katholische Kirche für die Ökumene geöffnet. Heute versuche der Ökumenische Rat der Kirchen, "das Miteinander der Kirchen mit Leben zu erfüllen". Eine unverzichtbare Funktion komme heute dem Religionsunterricht zu, den Bünker als "Avantgarde der Ökumene" bezeichnete. Denn in der Schule erlebten Kinder und Jugendliche das Miteinander der Religionen. Als "ökumenischen Grundansatz" empfahl der Bischof, als Kirche nicht die "Defizite" der anderen Kirchen zu sehen, sondern die unterschiedlichen Elemente, die bereichern: "Jede Kirche sollte sich bewusst werden: 'Wir haben nicht alles und brauchen andere, um die allgemeine Katholizität sichtbar zu machen'". Die Zulassung zur Eucharistie sei vor allem für gemischt-konfessionelle Paare ein "dringendes Anliegen".

Dass das "Thema Ökumene einschläft", konstatierte Helene Hornich, Leiterin des "Ökumenekreises 13", der zu dem Podiumsgespräch eingeladen hatte. "Einheit suchen und Vielfalt bewahren" ist für den rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura das Motto der Ökumene. Dura, der derzeit Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) ist, plädierte für einen "geistlichen Ökumenismus": Es gehe darum, "Zeugnis zu geben ohne Konkurrenzdenken", so der Bischofsvikar. Die Gründung der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule, die gemeinsam von verschiedenen Kirchen betrieben wird, sieht der Bischofsvikar als "Vorbild für die Ökumene".

Bischof Okoro: Hat Jesus so kompliziert gedacht?

Eine "Ökumene des Herzens" werde er nicht mehr erleben, meinte der altkatholische Bischof John Okoro. Seit Jahren gelinge es etwa nicht, "einen Bischof der Römisch-katholischen Kirche zur Predigt bei uns einzuladen". Hier ortet der Bischof deutliche Berührungsängste. Es sei schwer, über Ökumene zu reden, "wenn die Grundstruktur des Denkens von Doktrinen gesteuert ist" und immer wieder nach Trennendem statt Verbindendem gesucht werde, kritisierte der Bischof. Ökumene verlange "Ehrlichkeit ohne Ängste" und integratives Denken. Angesichts der oft verletzenden Situationen, wenn Menschen von der Abendmahlsgemeinschaft ausgeschlossen werden, fragte der Bischof: "Hat Jesus so kompliziert gedacht?"

Als dringende gemeinsame ökumenische Herausforderung sieht der römisch-katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki das Bemühen der Kirchen, jenen Menschen Heimat zu geben, die "religiös obdachlos" geworden sind. Schutzki: "Wie schaffen wir es, Spuren Gottes in ihrem Leben und Schicksal aufzuzeigen?"

Bünker: Menschenrechte sind Basis des Zusammenlebens

EPD Österreich - 25. Jänner 2012 - 14:01
"Welchen Beitrag können Religionen für Europa leisten?" und "Was würde fehlen, wenn es in Europa keine Religion mehr gäbe?" - diese Fragen erörterten Vertreter von Judentum, Christentum und Islam am 24. Jänner bei einer Podiumsdiskussion in Wien.
Religionen seien ein verlässliches Netz, das Menschen miteinander an dem Ort verbindet, an dem sie leben, erklärte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Dazu komme, dass die religiöse Landschaft zunehmend von Minderheiten geprägt sei, dies treffe besonders auch auf den Protestantismus zu. Hier könne Europa etwas von den Religionen lernen. "Wenn man sieht, wie schwer sich Europa mit Minderheiten tut, bin ich froh, dass Religionsgemeinschaften hier einen positiven Beitrag leisten", so Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist. Religion in Europa sei aber nur mehr denkbar als eine, die durch die Aufklärung gegangen ist. Dass sich die unterschiedlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften trotz ihres jeweiligen Wahrheitsanspruches tolerieren und akzeptieren, sei eine junge Entwicklung. "Heute gehen wir davon aus, dass die Menschenrechte Basis des Zusammenlebens sind. Diese sind ein Projekt der europäischen Aufklärung", sagte Bünker. Angesichts des wirtschaftlichen Drucks auf Europa warnte er gleichzeitig vor dem bekannten Muster, Religion für nationalistische oder rechtspopulistische Vorstellungen zu instrumentalisieren: "Das ist ein Alarmzeichen!" Bünker ist jedenfalls davon überzeugt, dass Religion einen wichtigen Faktor im europäischen Einigungsprozess darstellt.

"Religion steht nicht gegen die Aufklärung oder umgekehrt. Es gibt keinen Glauben ohne Vernunft, durch sie wird er geordnet und geläutert", betonte der römisch-katholische Diözesanbischof Manfred Scheuer, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Ökumene zuständig ist. Ohne Religion gäbe es keine Würde etwa für Schwache und Kranke, die Menschen würden dann nur noch nach ökonomischen Gesichtspunkten beurteilt.

Für Nicolae Dura, rumänisch-orthodoxer Bischofsvikar und Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, ist Religiosität ein natürlicher Bestandteil des Menschseins. Ohne die Kirchen und Religionen würde Europa anders aussehen. "Wo wären die moralischen Werte? Wo wären die Feiertage? Die Haltung des Menschen wäre nur mehr von Hedonismus und dem Streben nach Geld geprägt", mahnte Dura.

Auch für Zekirija Sejdini, Vorsitzender des Schurarates der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, ist der Glaube an einen Gott eine natürliche Veranlagung im Menschen. Sejdini, der im ehemaligen Jugoslawien, einem kommunistischen Staat, aufgewachsen ist, erinnert sich: "Es ist damals nicht gelungen, die Religionen abzuschaffen. Man versuchte, sie durch andere Dinge zu ersetzen." Die Menschen bräuchten aber etwas, woran sie glauben könnten. Fehle dies, würden sie andere Dinge erfinden: "Es ist fraglich, ob das dann besser ist als Religion".

Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg von der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien betonte ebenfalls den wichtigen Stellenwert von Religionen für Europa, machte aber darauf aufmerksam, dass auch säkulare Menschen Werte hätten und nach ethischen Prinzipien han-deln könnten. "Vielleicht wäre Europa in manchen Dingen ohne Religionen einfacher zu handhaben", so der Oberrabbiner. Dass sich die drei monotheistischen Religionen ihrer gemeinsamen Werte bewusst würden, lobte Eisenberg. "Früher sprach man von christlichen Werten. Dann begann man, von jüdisch-christlichen Werten zu sprechen und heute sind es Werte der abrahamitischen Religionen. Das ist eigentlich ein Fortschritt." Man müsse in Wertedebatten aber auch jene miteinbeziehen, die keiner dieser Religionen angehören, ergänzte Eisenberg.

Diakonie: Von inklusiver Schule profitieren alle Kinder

EPD Österreich - 25. Jänner 2012 - 13:56
Salzburg (epdÖ) - Für einen gemeinsamen Schulbesuch von Kindern mit und ohne Behinderung sprach sich Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich, bei der "Zero Conference" der Essl-Stiftung am 23. Jänner in Salzburg aus. "Es ist normal, dass es Menschen mit Behinderung gibt, deshalb ist eine Schule ohne Behinderte keine normale Schule", so Schenk. "Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben in Österreich noch immer keinen Platz in einer gemeinsamen Schule. Denn das Recht auf inklusive Bildung gibt es einerseits nur für die Pflichtschulzeit, andererseits sind inklusive Schulen in vielen Regionen noch immer nicht flächendeckend vorhanden."

Laut Diakonie liegt die Inklusionsquote zwischen 82 Prozent in der Steiermark und 32 Prozent in Niederösterreich. In den vergangenen 25 Jahren seien vor allem Elterninitiativen dafür verantwortlich gewesen, dass Kinder mit Behinderung auch in integrative Regelschulen gehen konnten. Ab der neunten Schulstufe sei es derzeit aber nur auf Grundlage eines Schulversuchs möglich, eine inklusive Schule zu besuchen. Es brauche dringend eine Weiterentwicklung, ist Schenk überzeugt.

Ein Bericht des Unterrichtsministeriums belege zudem, dass eine gemeinsame Schule Vorteile für alle Kinder bringe und eine Nivellierung nach unten nicht stattfinde. Vielmehr würden sich schwächere Kinder an den Stärkeren orientieren und so soziale Kompetenz und ein höheres Selbstwertkonzept entwickeln. "Inklusion kann allen nützen. Die Starken verlieren nicht. Sie profitieren von den Lernbedingungen, die den Schwachen helfen. Das zeigen alle Schulvergleichsstudien", erklärt Sozialexperte Schenk. Dies sei aber nur dann möglich, wenn die finanziellen Mittel für inklusive Schulen nicht weiterhin gekürzt würden.

Weg zum Heil führt über das Judentum

EPD Österreich - 25. Jänner 2012 - 13:49
Graz (epdÖ) - Christinnen und Christen können nicht am Judentum vorbei an Jesus Christus glauben. Das betonte die evangelische Theologin und Vorsitzende des Grazer Komitees für christlich-jüdische Zusammenarbeit Sabine Maurer in ihrer Predigt beim ökumenischen Gottesdienst anlässlich des "Tages des Judentums" am 17. Jänner in der Grazer Herz-Jesu-Unterkirche. Das Thema des Gottesdienstes war "Gottes Licht und Glanz im Widerschein des jüdischen und christlichen Weges". Bereits der Evangelist Lukas würde zeigen, dass der Weg zum Heil in Jesus Christus über den Lobgesang des Juden Simeon führe.

Erst in den vergangenen Jahrzehnten hätten die Kirchen den jüdischen Weg als einen eigen- und vollständigen Weg zum Heil anerkannt, so Maurer. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass man gemeinsam aktiv auf die Erfüllung der prophetischen Verheißung der Zukunft Gottes und seine zukünftige Welt warten und hoffen könne.

Beim Gottesdienst wirkten auch Vertreter der jüdischen Gemeinde mit. Avshalom Eliassi von der Israelitischen Kultusgemeinde Graz und Superintendent Hermann Miklas, Vorsitzender des Ökumenischen Forums Steiermark, sprachen den aaronitischen Segen in Hebräisch und Deutsch für die Gemeinde. Musikalisch wurde die Feier vom Vokalensemble des Kirchenmusikkonservatoriums der Diözese Graz-Seckau gestaltet.