Freundeskreis evangelischer Kirchenmusik
1987 hat sich eine Gruppe von Menschen, die sich für die evangelische Kirchenmusiktradition interessierten, vorgenommen, nach längerer Vakanz des Kantorenamtes der Kirchenmusik an der Heilandskirche wieder Gewicht zu geben. Ein Freundeskreis für evangelische Kirchenmusik wurde gegründet und Kantor Paul Hönicke als hauptamtlicher Kirchenmusiker an der Heilandskirche bestellt.
Seither hat die evangelische Kirchenmusik an der Heilandskirche einen festen Platz im Grazer Kulturleben erobert. Die anfangs 18 Mitglieder zählende Kantorei hat sich mittlerweile zu einem Klangkörper entwickelt, der sich neben Gottesdiensten auch der Pflege der Oratorienliteratur widmet. Die kirchenmusikalische Arbeit an der Heilandskirche findet auch außerhalb der Gemeinde große Beachtung: Zahlreiche Gastchöre und Gastsänger – auch anderer Konfessionen – arbeiten gerne mit dem Freundeskreis evangelischer Kirchenmusik zusammen und singen bei Oratorienaufführungen mit.
Die Palette der gottesdienstlichen Musik reicht von solistischen Besetzungen bis hin zum Kantatengottesdienst mit Orchesterbesetzung. In protestantischer Tradition nehmen dabei die Kantaten von Johann Sebastian Bach einen gewichtigen Teil der Musik im Gottesdienst ein. Das Angebot im konzertanten Bereich umfasst die schlichte Orgelandacht, das Orgelkonzert, die geistliche Abendmusik und die Motette, aber auch das Chorkonzert und die großen Passionsoratorien.
Neben der klassischen Tradition sieht sich Kantor Paul Hönicke auch der neueren Kirchenmusik verpflichtet. Dieses Selbstverständnis führte zu einigen Erstaufführungen in Österreich: So führte die Kantorei im Juni 1995 das Oratorium „Dein Reich komme“ von Johannes Driessler aus dem Jahre 1948 in der Grazer Heilandskirche auf. 1991 folgte anlässlich der Renovierung der Heilandskirche und zeitgerecht zur Grazer Reformationsfeier die Kantate “Mich ruft zuweilen eine Stille” des zeitgenössischen Grazer Komponisten Herbert Blendinger. Außerdem ließ Kantor Hönicke 1994/95 das gesamte Orgelwerk des Barockmeisters Dietrich Buxtehude in einem Zyklus erklingen.
Liebe LeserInnen!
Der vorangehende Bericht über die Entwicklung und den Stand der Kirchenmusik ist mit dem Anliegen verfasst, Sie davon zu überzeugen, dass in der Heilandskirche der Verkündigung durch das gesprochene Wort die Verkündigung durch musikalisch-künstlerische Mittel in hoher Qualität zur Seite steht. Die Pflege der Musik in dieser Kirche erfüllt auch einen über die Grenzen der zugehörigen Pfarrgemeinde hinausgehenden kulturellen Auftrag, der sich aus der altstadtnahen Lage des größten evangelischen Kirchenraums von Graz ableitet: die Bereicherung des Grazer Musiklebens um eine evangelische Komponente.
Diese Musikpflege im Gottesdienst, in geistlichen Abendmusiken und in Konzerten erfordert andererseits Aufwendungen, die unsere Gemeinde nur zum Teil tragen kann. Deswegen wurde 1987 der “Freundeskreis evangelischer Kirchenmusik an der Heilandskirche zu Graz” gegründet, dessen Aufgabe es ist, der Gemeinde bei der Erfüllung dieser Aufgabe finanziell zur Seite zu stehen. Wie derzeit die meisten Bereiche, ist auch die Kirchenmusik von Sparmaßnahmen betroffen (Kürzung der öffentlichen Subventionen) und deswegen umso mehr auf die Hilfe von Freunden und Förderern angewiesen. Die kirchenmusikalische Planung ist zur Gratwanderung zwischen Beibehaltung der Kontinuität und künstlerischer Qualität geworden. Aus diesem Grunde möchten wir gerade in dieser Zeit herzlich bitten, einen Beitritt zu diesem Freundeskreis wohlwollend zu prüfen und im Falle der Zustimmung ihm beizutreten.
Verfasst von Redaktion am 18. Oktober 2007 - 14:39.